Die Eifel im 17.  Jahrhundert.


Im ganzen 17. Jahrhundert steht die Eifel im Zeichen der Kriegsereignisse. Im Jahre 1603 durchzogen zuerst niederländische, dann französische Truppen die Eifel. Durch Plünderungen verbreiteten sie großen Schaden und Leid.

 

Im Jahre 1609 bis 1614 entbrannte der Jülich-Klerische Erbfolgestreit. Da unsere Region unter Jülicher Herrschaft stand, wurde es auch von diesen Streitigkeiten mit ihren Kriegsfolgen berührt. Damals wollte sich Luxemburg auf Veranlassung Österreichs der Lande im Kreise Schleiden bemächtigen, die unter der Herrschaft der Jülicher Herzöge standen. Dazu gehörte aber nur zeitweilig die Stadt Schleiden. Das Schloss und die Vorburg gehörte den Luxemburgern.

 

Mit 3000 spanischen Reitern erschien daher der Graf Mannsfeld, Gouverneur von Luxemburg, vor Schleiden, sprengte die Stadttore und plünderte die Stadt. Der Kommandant des Herzogs von Jülich, Graf Sohns, suchte die Stadt mit seinem Fußvolk wieder zu erobern. Erst mit Kanonen gelang es ihm, die Tore einzuschießen und in die Stadt einzudringen. In den Straßen Schleidens tobten erbitterte Kämpfe. Schließlich zogen sich die Spanier in das stark befestigte Schloss zurück. Als auch der letzte Turm erobert war, wurde Graf Mannsfeld mit 30 Edelleuten gefangen.

 

Im dreißigjährigen Krieg ging dann Schleiden für den Herzog von Jülich verloren, das er nur vorübergehend als Lehen besessen hatte. (Quelle: Müller: Aus den Eifelbergen, I. Band, 1887; und Küllenberg: Nachrichten über die ehemaligen Grafschaften Schleiden, I. Band, 1837)

 

Der dreißigjährige Krieg trug seine Schrecken auch in die Eifel.

 

Spanische Truppen des Grafen Mannsfeld, Soldaten des Herzogs von Jülich und kaiserliche Truppen, die im Elsass und in den Niederlanden angeworben waren, hausten in der Eifel. Dazu kamen noch französische und lothringische Soldaten, Kroaten und Tschechen. Landsknechte aus aller Herren Länder. Dieses verwegene und rohe Kriegsvolk streifte beutegierig in der Eifel umher und bekriegte sich gegenseitig. Aber alle plünderten die eingesessene und wehrlose Bevölkerung in gemeinster Weine aus und steckten Häuser und Gehöfte in Brand.

 

So stehen im Wald von Dottel noch heute die inzwischen überwachsenen Ruinen des Dorfes Königsfeld, das damals völlig zerstört wurde. (Quelle: Mitteilungen des Pfarrers Bohlen zu Scheven, 1897)

 

In Frohnrath wurde ein Pachthof des Klosters Steinfeld eingeäschert und in Kall die Schmelzhütten zerstört. Und als 1648 der Friede hergestellt war, beherrschten Räuberbanden und Diebesgesindel die Eifel.

 

Zu allem Elend kam auch noch der schwarze Tod, der 1630 und 1668 auch in der Eifel seinen Tribut gefordert hat. Zu dieser Zeit zogen Scharen frommer Beter und Prozessionen zum Kloster Steinfeld um dort durch Gebet Hilfe und Trost zu finden. Diese Prozessionen mussten 1642 von Bewaffneten begleitet worden, um nicht von herrischen „Streifkops“, welche die Gegend beunruhigten, überfallen zu werden. (Quelle: Eiflia illustrata)

 

Die Leiden der Bevölkerung in all den Orten, wo die Soldaten die Übermacht hatte, oder wenn diese Soldatenhorden lange beherbergt werden mussten, sind kaum zu begreifen.

 

Der Eifeler Bevölkerung wurden harte Kriegskontributionen von den durchziehenden Truppen auferlegt, besonders in den Jahren 1639 - 1644. Konnte die „arme und verderbte“ Bevölkerung diese Kriegskontributionen nicht aufbringen, mussten sie Haus und Hof verlassen und durfte nicht einmal die lagernden Feldfrüchte zum Lebensunterhalt mitnehmen. (Quelle: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Band XIII, Heft l; und Band XI, Heft 3)

 

Im Jahre 1647 kam es zwischen Engelgau und Zingsheim zu Kämpfen zwischen den in der Eifel liegenden Truppen der verschiedenen Kriegsgegner. Das Gebiet des Schlachtfeldes ist heute noch bekannt.

 

Neue Kriegsdrangsale brachten die Raubkriege Ludwigs des XIV. von Frankreich, des so genannten Sonnenkönigs, die in den Zeitraum von 1665 bis 1697 fallen.

 

1680 begannen die Franzosen mit den „Reunionen“, das heißt: Besetzung linksrheinischer deutscher Gebiete mitten im Frieden. Deutschland kannte sich dagegen nicht wehren, weil es durch die Türkeneinfälle bedroht wurde. Außerdem hielten viele deutsche Fürsten mit den Franzosen, so auch der "Große Kurfürst" von Preußen. Sie übten damit Verrat an Deutschland.

 

Im Verlauf dieser Reunionen besetzten die Franzosen 1682 die Grafschaft Schleiden.

 

Übel hausten sie in der Gegend der Eifel. In allen Orten lagen starke Einquartierungen. Sogar die mühsam eingescheuerten Feldfrüchte nahmen sie den Einwohnern fort. Handel und Wandel kamen bald zum Erliegen. Die Güter konnten die Pacht nicht mehr bezahlen und die Kapitalien brachten keine Zinsen. Großes Elend entstand im ganzen Gebiet, das die Franzosen besetzt hielten. Erst 1697 wurde die Eifel von den Franzosen geräumt. (Quelle: Müller: Aus den Eifelbergen, Band 1, 1887)

 

Aus dem zweiten Raubkrieg Ludwig XIV. (1672-1679) sowie dem dritten Raubkrieg (1688-1697) wird über den Keldenich-Sötenicher Raum folgendes berichtet: "Anno 1675 habe ich, Theodorus Blasy, angefangen, die Pfarre Keldenich zu administrieren und damals schwere, Kriegszeiten angetroffen und auch in den nächstfolgenden Jahren.“

 

Der Eifeler Raum hat unter diesen Kriegszügen viel gelitten, nicht nur weil von Westen her das Schleidener Tal ein strategisch vorteilhaftes Einfallstor für Deutschland war, sondern auch wegen der Lage des Ortes an der alten Handelsstraße Köln-Trier, welche von den feindlichen Truppen bei ihren Kriegs und Beutezügen benutzt wurde. Die Opfer an Gut und Blut müssen bedeutend gewesen sein, wie aus nachstehender Notiz zu entnehmen ist:

 

„Anno 1692 haben 5000 Franzosen zu Nettersheim ein Lager aufgeschlagen. Diese haben die ganze Umgegend ausgeplündert, unter anderem auch Sötenich und Keldenich.“

 

"Die Chürpfälzischen, Neuenburgische, Münstersche, Kölnische und Paderboernsche Völker haben gestanden zu Weyer, Bleibuir, Lückerath und Kall, von welchen wir großen Schaden erlitten haben."

 

Bei diesen letztgenannten Truppen handelt es sich um die damalige Reichsarmee. Vielfach wurden die Truppen der Reichsarmee vom Volke als Hessen bezeichnet. Wenn diese Truppen am Hessenmaar gekämpft haben, so hat der Name des Hessenmaar nichts mit diesen Hessen zu tun, sondern kommt von „Hasel“ oder „Harel“ und bringt zum Ausdruck, dass hier viele Haselsträucher standen. Mit "Maar" oder "Mahr" werden vielfach die mit Wasser gefüllten Bodenvertiefungen bezeichnet, die auf vulkanische Tätigkeiten zurückzuführen sind.

 

Ob es sich beim "Hessenmaar", so wird dieses Gelände auf dem Messtischblatt bezeichnet, einmal um vulkanische Tätigkeit gehandelt hat, sei dahingestellt. Jedenfalls weist Mahr auf Bodenfeuchtigkeit hin, welche wiederum dem Gedeihen des Hassel förderlich war. (Quelle: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Band XIII, Heft 1; und Band XI, Heft 3.)

 

Im Raume zwischen Nettersheim-Hessenmaar-Zingsheim-Engelgau kam es im dritten Raubkriege des französischen Königs Ludwig XIV. zwischen Franzosen und Reichsarmee zu einer Schlacht.

 

Dieser Krieg, der von 1688 bis 1697 dauerte, war durch eine besonders harte Kriegsführung, durch furchtbare Verwüstungen und Einäscherungen fast aller Dörfer die von der Kriegsfurie berührt wurden, gekennzeichnet. Die entscheidende Schlacht fand 1693 statt und scheint mit einer Niederlage der Reichsarmee geendet zu haben, denn die Franzosen hielten die Eifel bis zum Friedensschluss von Rysnich 1697 besetzt.

 

Damals glaubten die Protestanten des Kreises Schleiden, den die Franzosen besetzt hatten, dass die Eroberer sie wegen ihres Glaubens verfolgen würden, denn ein Großteil dieser Protestanten waren Nachkommen der vor 100 Jahren aus Frankreich geflohenen Hugenotten. Damals verkauften viele ihren Besitz und wanderten aus. Doch die Franzosen behandelten auch die Protestanten gerecht, so dass die Auswanderungen aufhörten. Dies gilt besonders für den französischen Offizier, der damals zu Schleiden die Kommandogewalt hatte.