Die Eifel in der Devonzeit.


AUTOR: GEORG MAY

 


Vor mehreren Millionen Jahren, in der Devonzeit, durchzogen gewaltige Meeresarme die Eifelregion. Diese Zeit, so genannt nach einer Grafschaft in England, wo sie zuerst erforscht und statiert wurde, ist die dritte Periode in der Entwicklung unserer Erde. Während die beiden ersten Perioden die Urformen der Pflanzen und Tiere zu Wasser und zu Lande brachten, hatte die Devonzeit vorwiegend Meeresablagerungen mit reicher Tier- und Pflanzenwelt. Eine Entwicklung der Landpflanzen brachte erst die nächste Periode, welche die Wälder schuf, die heute die Steinkohlenlager der Erde bilden.

 

Die heutige Sötenicher Mulde z.B. liegt in einem Gebiet, das ein Meeresarm bis in die Gegend von Prüm bedeckte. So erklären sich die zahlreichen Kalk und Sandablagerungen und die versteinerten Pflanzen und Muschelüberreste ihren Ursprung aus dem Wasser des Meeres. Die heutige Wissenschaft rechnet die in der Sötenicher Mulde gefundenen Muscheln zur Familie der so genannten Eulenkopfmuscheln, weil sie mit einem solchen Kopf eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen. Die Korallen sind ebenfalls tierische Lebewesen, die zur Familie der Hohltiere gerechnet werden, weil sie noch nicht die entwickelten inneren Organe wie z. B. die Fische haben. Die Korallentiere leben auch heute noch in ungeheuren Mengen zusammen und sondern ständig Kalkstaub ab. So bilden sie in den warmen Meeren die für die Schifffahrt gefährlichen Korallenbänke. Die Tertiäzeit, die noch älter als die Devonzeit ist, schuf Dolomit, Schiefer und Sandstein, also die Gesteinsformationen unserer Eifeler Heimat. In dieser Zeit nahmen die Erdteile bzw. Festländer im Großen und Ganzen ihre heutige Gestalt gegenüber den Meeren ein. Diese Steine und Ablagerungen haben ihre eigene Sprache und berichten von furchtbaren Naturkatastrophen, die vor sehr langer Zeit unsere heimatliche Sötenicher Mulde über sich ergehen lassen musste, wie z. B. Sturmfluten von kaum vorstellbaren Ausmaßen. Diese geschilderten geologischen Epochen kannten den Menschen noch nicht.

 

Das Einsetzen des Menschen brachte dann Kulturepochen. Die erste Kulturepoche ist die ältere Steinzeit, wenn wir von den Sammelkulturen absehen. Nur in dieser Kulturepoche der Steinzeit waren im Raum der Waldeifel zwischen Emscher, Ahr, Kyll und Urft die Höhlenmenschen existent. Solche Menschen lebten hier vor mehr als zehntausend Jahren z. B. in den Kakushöhlen bei Mechernich. Auch das Gerolsteiner Höhlengebiet hatte zu dieser Zeit reine Höhlenmenschen, und das Landesmuseum in Bonn vermutet, dass auch im Urfttal solche Höhlenmenschen gewohnt haben. So wurden im Acherloch bei Urft umfangreiche Grabungen veranstaltet, um Spuren von diesen Höhlenmenschen zu finden. Allerdings waren diese Grabungen ohne Erfolg.

 

Auch unter den Ruinen der Stolzenburg befinden sich Höhlen, die bedeutend älter als die heutige Ruinenanlage sind. Ob sie allerdings für Höhlenwohnungen geeignet waren und ob sie tatsächlich Höhlenmenschen beherbergt haben, müssten Forschungen ergeben.