Die Eisenindustrie in der Eife.


Die Eisenindustrie in der Eifel ist schon sehr alt. Denn nicht nur die Kelten in ihren Schmelzstellen, die Römer in ihren Luppenherden, das sind Herde, in denen Roheisenstücke (Luppen) geschmolzen werden, haben im Urfttal Eisen zubereitet, auch schon die Franken insbesondere Karl der Große ließ Eisen im Eifeler Raum fabrizieren. Das ist aus Funden, die schon erwähnt wurden, erkennbar. Aber auch schriftliche Belege bürgen für die Eisenindustrie im Schleidener und im Urfttal, dass sie alt ist. Eine neue Blütezeit für die hiesige Eisenindustrie begann im 15. Jahrhundert (um 1460). Sie hat dann noch etwa 400 Jahre bestanden und ging dann allmählich ganz ein. Die Gründe dafür sind, dass einmal das Eisenerzvorkommen geringer wurde, zum anderen die schlechten Verkehrsverhältnisse. Die Schuld an letzterem Übel lag allein bei den Staats und Regierungsbehörden, insbesondere der Preußenregierung in Berlin.

 

1865 ist der Wendepunkt der Eifeler Eisenindustrie. Die nachfolgenden Jahre sind nur eine Liquidierung einer uralten, bodenständigen Industrie.

 

Große Verdienste haben sich bei der Anlage der Eisenhämmer und Eisenschmelzen (der so genannten Reitwerke = Zubereitungswerke) die Reformierten und Lutheraner, die aus Holland und Frankreich auswandern mussten, erworben. Sie führten zahlreiche Verbesserungen in der Gewinnung und Verarbeitung des Eisens ein. Im Kreise Schleiden bestanden zur Blütezeit der Eisenindustrie immerhin 23 Reitwerke, die einen größeren Wohlstand in der Bevölkerung hervorriefen.

 

Das Keldenicher Pfarrarchiv vermeldet, dass im 16. Jahrhundert die Geschlossenheit der Keldenicher Pfarre in Sötenich durch Zuzug und Ansiedlung von Industriellen aus dem Schleidener Tal gelockert wurde. Der Anfang der Sötenicher Eisenindustrie liegt also in dieser Zeit. Das Eisenerz im Kaller und Sötenicher Raum hatte wegen seines Mangangehaltes eine besondere Güte.

Da in Kall, Dottel und Sötenich so viele Bergleute wohnten, nannte man um 1650 diese Dörfer Bergmannsdörfer. (Quelle: Eiflia illustrata)

 

Zu Mönchenrath bei Sötenich, zwischen Steinfeld und Urft, sowie zu Wehr (heute Weyer) betrieben die Äbte von Steinfeld bedeutenden Bergbau und Eisenwerke mit gutem Erfolg. Steinfeld wird ja auch als das Bergmannskloster bezeichnet, weil es von jeher als Pflanzstätte der sich entfaltenden, bergbaulichen und hüttenmännischen Tätigkeit gegolten hat. Wenn nun Steinfeld 1187 den Reytbach für sein Holz und seine Holzkohle industrialisierte, so liegt die Vermutung nahe, dass diese Erzeugnisse für die Eisenschmelzen verwendet wurden. Ein längerer Transport wäre ja auch wohl zu kostspielig gewesen. Darum müssen die Eisenschmelzen in unmittelbarer Nähe gelegen haben. (Quelle: Stadtarchiv Köln, Auswärtiges 323; und Steinfelder Urbar, Seite 20)

 

In Weyer war seit 1604 das Gieß und Hammerwerk für 200 und später sogar für 600 Taler (Wert des alten Reichstalers = 2,40 DM) verpachtet. Das war eine gewaltige Summe, für die man eine ganze Reihe Bauerngüter hätte erwerben konnte. (Quelle: Stadtarchiv Koblenz und Eiflia sacra II)

 

Das Sötenicher Reitwerk, dessen vier Hämmer mit Wasserkraft betrieben wurden, ist im Jahre 1895 auf Abbruch verkauft worden. In einigen Sötenichern Häusern sind noch Dachbalken, die aus diesem Verkauf stammen zu finden. Heute befindet sich auf dem Gelände des alten Eisenwerkes das Sötenicher Zementwerk.

 

Das Sötenicher Hüttenwerk goss seinerzeit auch Glocken und war weithin bekannt. Aus Köln kamen Aufträge, aus Aachen sogar der Auftrag zu einem Glockenspiel. Im 19. Jahrhundert stellte das Werk Stabeisen für Weiterverarbeitung her.

Die Zahl der Stammarbeiter im Reitwerk Möncherath betrug um diese Zeit 11 Personen. (Quelle: Archiv des Kulturamtes in Schleiden)

 

Das Eisenerz wurde, bevor es in die Reitwerke kam gewaschen, um es vom Abraum zu befreien. Eine solche „Wäsche“ befand sich in Sötenich vor dem Beuststollen. Diese Arbeit wurde meist von Frauen verrichtet, die dafür nur gering entlohnt wurden. Sie erhielten 3 4 Stüber = 12 16 Pfennige pro Tag.

 

Kall hatte schon um 1400 eine Bleischmelze "ober Kall gelegen". Wilhelm Schall zu Kall schenkte sie im Jahre 1429 der Abtei Steinfeld. Als Kirchenhütte wurde sie Eigentum der Kaller Kapelle. 1482 hatte Kall bereits ein geschriebenes Bergweisthum (Bergrecht), das für andere Eisenerzgebiete als Muster diente. In den Kriegswirren des dreißigjährigen Krieges wurde die Kaller Bleischmelze zerstört, später wieder aufgebaut und durch weitere Schmelzhütten vermehrt. Wegen der Kaller Schmelzhütte gab es im Jahre 1721 langwierige Gerichtsprozesse, weil sie das Wasser der Urft vergifteten, „dass die Fische darin stürben und das Vieh nicht darin trinken dürfe und das Gras der anstoßenden Wiesen verderbe“.

 

Ein strenger Winter zog 1740 in die Eifel ein. Bis in den halben Mai dauerte die Kälte. Alle Reitwerke im Urfttal standen still, weil sie wegen der zugefrorenen Urft kein Wasser hatten, die Hämmer zu betreiben. Wegen der Kälte und der Schneemassen konnte auch das notwendige Holz zum Schmelzen des Eisens nicht herbeigeschafft werden. (Quelle: Aufzeichnungen des Dr. med. Joh. Peter Wolgert in Blumenthal/Eifel)