Die Kultur der Kelten.


Der römische Schriftsteller Tacitus, der in den Jahren 55 bis 120 nach Christi lebte, bringt in seinem Werk "Die Germania“ ein getreues Bild des Landes und des Lebens unserer Vorfahren zu dieser Zeit. Es gibt einen Blick in den Kulturstand und gilt auch für die Kelten in der Eifel. So berichtet er, dass die Kelten in unserer Gegend in runden, spitzen Hütten lebten. Sie waren aus Pfahlwerk gebildet und mit Rasen bedeckt. Kräftiger Wuchs zeichnete die Bewohner aus, die von Milch, Käse und Fleisch lebten und auch schon Bier, genannt: „Met“ kannten.

 

Ihre Waffen waren Bogen, Pfeile, Schwert und Speere, teils aus Stein oder Bronze, später aus Eisen. Auch Keule und Schild gehörten zu ihren Waffen. Als Werkzeuge hatten sie Äxte und Messer, zuerst aus Stein und Bronze, die später durch eiserne Werkzeuge ersetzt wurden. Ihre Hausgeräte bestanden aus Holz und Tongefäßen. Ihre Toten verbrannten sie und setzten die Überreste in Urnen bei. Ihre Götter verehrten sie in Wäldern und Hainen später erst in steinernen Heiligtümern.

 

Diesen Bericht des Römers Tacitus bezeugen auch Funde aus unserer Gegend: der keltische Friedhof in Nettersheim, Waffen und Schmucksachen besonders Ringe aus Bronze aus der Keltenzeit, die man verschiedentlich in der Eifel fand.

 

Von der Eisenkultur der Kelten ist zu berichten:

Die Steinzeit in der Kulturgeschichte der Menschheit wurde etwa um 2000 vor Christus durch die Bronzezeit abgelöst. Bronze - sie besteht aus neun Teilen Kupfer und einem Teil Zinn - ist leichter als Eisen zu bearbeiten. Zwar kannte man schon lange vor der ersten Eisenzeit die Hallstattkultur, so benannt nach dort gemachten Funden, das Gusseisen, das aber zum Schmieden weniger geeignet war. Die Hettkiter am Schwarzen Meer und die Phönizier, die das Schmiedeeisen kannten, brachten es als Handelsware in die alte Welt und unterwiesen neben anderen Völkern auch die Kelten in Massilia (heute Marseille) in Südfrankreich in der Kunst des Eisenschmiedens. (etwa um 1000 vor Christus)

 

Erst die zweite Eisenzeit, die LaTene-Kultur, so genannt nach einem Fundort in der Schweiz, verdrängte die Bronze völlig. Als die Vorteile und Bearbeitung des neuen Metalls bekannt waren, begann der Kampf um die Erzplätze. Die Kelten besaßen damals den weitaus größten Teil des germanischen Raumes. Sie wohnten in Süd-, Mittel- und Westdeutschland, beherrschten jedoch nicht die norddeutsche Tiefebene und Ostdeutschland, wo germanische Stämme saßen. Im Berg- und Hüttenwesen wurden die Kelten führend. In Schwaben, am Ober- und Mittelrhein, in der Eifel, vor allem aber im Siegerland hatten sie die Eisenerzlager inne, während die Nachbarn, die Germanen, ihre Eisenerzlager in Posen, Schlesien, Böhmen und Thüringen besaßen. Auch die andere Macht, die Römer, sicherten sich ihre Eisenerzbasis in der Steiermark indem sie Noreja eroberten und stark befestigten (115 vor Christus).

 

Als nun die Germanen ihre eiserne Rohstoffbasis zu erweitern versuchten, kam es zu einem jahrhundertelangen Kampf zwischen Kelten und Germanen. Im Jahre 390 vor Christi lag unter dem Keltenführer Brennus ein Teil der waffenfähigen Kelten vor Rom. Ziemlich plötzlich gab Brennus gegen ein Lösegeld die Belagerung Roms auf und verschwand rasch aus Italien.

Der Grund für den plötzlichen Abzug trotz der militärisch günstigen Lage in Italien war die Hiobsbotschaft, dass die Germanen die durch einen Kranz von Burgen gesicherte Rohstoffbasis des so wertvollen Manganeisens im Siegerland, erobert hatten. Die Germanen drangen damals nicht in die Eifel ein, weil die schon erwähnten Kämpfe bei Zülpich wohl für die Kelten erfolgreich waren.

 

Im Sötenicher Raum sind verschiedene Funde gemacht worden, die zweifellos keltischen Ursprungs sind. Auch in Keldenich wurden 1940 Steinwerkzeuge gefunden, auch keltische wurden dort entdeckt. (Quelle: Virmond, Geschichte des Kreises Schleiden)

 

Ferner die schon erwähnten keltischen Funde und dem Nettersheimer Urnenfriedhof. Auch viele Flurnamen weisen auf keltischen Ursprung hin, z. B. Benden, sowie die Ortsbezeichnungen, die als Endung ein "ich“ oder "ig" besitzen und dem römischen Wort "acum" entsprechen. Dieses "acum" ist aus der keltischen Sprache übernommen und ist zu übersetzen mit „Heim“ oder „Wohnung“.

 

Der Diplom-Bergbauingenieur Wilhelm Schneider berichtet in der Zeitschrift für das Grubensicherheitswesen (Okt. 1954, 7. Jahrgang, Nr. 10; Verlag: Barbara Verlag, Karl Marklein, Düsseldorf), dass Spuren der keltischen Tätigkeit bezüglich der Eisenerzgewinnung durch Eisenherde auch auf linksrheinischem Gebiet um Sötenich und Marmagen zu finden seien. Zu diesem Bericht des Diplom-Bergbauingenieurs wurde festgestellt, dass die Kelten tatsächlich in Sötenich Eisen geschmolzen haben.

 

Ein weiterer Grund für die Wahl des Berges waren die großen Landflächen, die feinsten, weißen Sand enthielten. Zum Schmelzen des Eisens ist immerhin eine Temperatur von ca. 1500 Grad erforderlich. Eine so hohe Temperatur zu erzielen und zu erhalten, war bei der damaligen primitiven Technik sicherlich nicht einfach. Da aber Sand gut die Wärme hält, war die Kickberger Anlage von Schmelzöfen geradezu geeignet.

 

Auch ein Grund dafür mag die Nähe der keltischen Siedlung „Suetoniacum“ gewesen sein, von der die Schmelzstellen leicht überwacht und unter Umständen auch verteidigt werden konnten. Zudem wurde festgestellt, dass ein Teil der Wiesen heute die nicht in der Eifel übliche gelbe Färbung hat. Dieser auffallende Unterschied in der Bodenfärbung zeigt, dass sich auch hier in direkter Nähe der Schmelzöfen Kohlenmeiler zur Herstellung von Holzkohle befunden haben.

 

Die Eisenerzschmelzstellen, die sich auf dem Kickberg befanden, waren in einer Tiefe von 1 - 2 Metern. Dort wurde sehr viel Holzasche und auch Schlacke gefunden. Die Verwitterung dieser Holzkohlen und Schlackenreste weist auf ein hohes Alter hin. Sie rühren von den Eisenschmelzherden her, welche Schächte und Abzüge hatten. Durch Flammen und Holzruß hatte der weiße Sand, durch den diese Züge führten, eine dunkle Färbung angenommen. Um Kohlenmeiler kann es sich hier unmöglich handeln, weil sonst Schächte und Abzüge überflüssig gewesen wären.

 

Wie es keltischer Brauch war, ist dieses Eisen zu Spitzbarren umgegossen worden, um den keltischen Schmieden, die ein hohes Ansehen genossen, zur Weiterverarbeitung zugeleitet zu werden. So ist wohl selbstverständlich, dass bei den damaligen Weg und Transportverhältnissen der fast reine Eisenstein an Ort und Stelle geschmolzen wurde, wo er auch gefunden worden war.